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Sie steht am Wegesrand.
Gebannt schaut sie dich an.
Niemand liebt sie.
Selten wird sie angeschaut.

Wenn du sie verdrängst,
verkennst du ihren Sinn.
Lass sie in dir wohnen.
Belohnen wird sie dich.
Sie braucht ihre Zeit.
Traurigkeit ist eine Lehrerin.

Sie spricht: „Bleib stehen!
Sehen sollst du,
was mit dir geschieht.“
Sie will dir etwas bringen.
Ringen sollst du mit ihr –
eigentlich spielen.

Vielen ist das zu schwer.
Sie sagt: „Erkenne,
benenne, was dich bedrückt.
Versteck dein Gesicht
nicht hinter Gleichgültigkeit,
sie schwächt, macht nicht stark.
Arg wird sie dich quälen.“

Echte Trauer macht dich weicher.
Reicher wirst du deinen Weg finden.
Sie begleitet dich ein Stück.
Zurück lässt sie dich,
wenn du wieder klar siehst.
Nicht umsonst stand
sie am Wegesrand.

© bmh Archiv 1980

Für V. – das 1. von 3 Gedichten über die Trauer – aus meinem Archiv –
Liebe Grüße Barbara

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